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Cimelia Photographica

Die fotografische Reproduktion von Zeichnungen

Die sich ab Mitte des 19. Jh.s etablierende Kunstwissenschaft entdeckte die Fotografie sehr bald als Arbeitsmittel. Denn im Gegensatz zu den älteren Reproduktionsmitteln wie Kupferstich oder Nachzeichnung, die aufgrund der „subjektiven Sicht“ der mit ihrer Herstellung betrauten Künstler nicht dem Anspruch einer „wissenschaftlich objektiven Quelle“ gerecht werden konnten, schien das neue Medium Bildmaterial „von unnachahmlicher Treue“ zu liefern. Gemeinsam mit Stichen und Zeichnungen ermöglichten Fotografien nun etwa, das oftmals über die ganze Welt verstreute Werk eines Künstlers zusammenzufügen und zu vergleichen. Ab den 1850er Jahren widmete man sich neben der Abbildung von Architektur und Skulptur vor allem der fotografischen Wiedergabe von Handzeichnungen und Kupferstichen, da diese monochromen Vorlagen aufgrund der Farbblindheit der Negative anfangs besser reproduziert werden konnten als Gemälde. Faksimile jedoch wurden erst mit der Erfindung des Kohledrucks möglich. Dabei konnte das gleiche Pigment des vom Künstler zum Zeichnen genutzten Farbstoffs auch zur Herstellung der Reproduktion verwendet werden. Als der Verleger Adolph Braun 1867 fast 1000 solcher Fotografien von Zeichnungen des Louvre vorlegte, die sich in ihren Farbtönen dem jeweiligen (einfarbigen) Original annäherten, schrieb der Kunsthistoriker Wilhelm Lübke enthusiastisch: „Nur ein schwacher Rest des verrätherischen Glanzes, den die Fläche der Photographie bei schrägem Anblicke darbietet, lässt diese meisterhaften Nachbildungen von den Originalen unterscheiden; wäre dies nicht der Fall, so könnte dies neue Verfahren (...) für die Sammlungen verhängnisvoll werden.“


Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Die heilige Anna mit Maria und dem Christuskind. Zeichnung aus dem Louvre in Paris“, Kohledruck, vor 1880. Karton: 48,5 x 34 cm (Inv.-Nr. 3934)

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Figurengruppe. Zeichnung aus dem Ashmolean Museum in Oxford“, Kohledruck, vor 1887. Karton: 48,5 x 34 cm (Inv.-Nr. 4012)

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Sturz des Phaeton. Zeichnung aus der Royal Library in Windsor Castle“, Kohledruck, nach 1887, Karton: 48,5 x 34 cm (Inv.-Nr. 4090)

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Vier Grotesken und Studie einer Herkules-Antaeus-Gruppe. Zeichnung aus dem British Museum in London“, Kohledruck, vor 1887. Karton: 34 x 48,6 cm (Inv.-Nr. 3999)

Adolphe Braun & Cie.: „Kopie nach Michelangelo Buonarroti: Bogenschützen. Zeichnung aus der Royal Library in Windsor Castle”, Kohledruck, nach 1887. Karton: 34 x 48,6 cm (Inv.-Nr. 4107)

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Leichnam Christi. Zeichnung aus der Albertina in Wien“, Kohledruck, vor 1887. Karton: 34 x 48,5 cm (Inv.-Nr. 3965)

F.C.Lewis: „Michelangelo: Studie für die Figur des Adam in der Sixtinischen Kapelle“, Stich. Aus: W.Y.Ottley: The Italian School of Design: Being a Series of Fac-Similes of Original Drawings by […] Painters and Sculptors of Italy, London 1823

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Figurenstudie. Zeichnung aus den Uffizien in Florenz”, Kohledruck, 1868. Karton: 48,5 x 34 cm (Inv.-Nr. 4082)

Roberto Palermo: “Michelangelo Buonarroti: Figurenstudie. Zeichnung aus den Uffizien in Florenz, Inv.-Nr. 620 E (Gabinetto dei Disegni e delle Stampe)", Digitalfotografie, 2009




© KHI in Florenz | 01.10.2020 07:26:30