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Cimelia Photographica

Ansichtssache

Die Aufnahme von Skulpturen kam den technischen Möglichkeiten der frühen Fotografie sehr entgegen. Aufgrund der Unbeweglichkeit der Objekte war ihre Abbildung trotz langer Belichtungszeiten möglich. Doch bestand hier das Problem, dass sich die Objekte häufig im musealen oder architektonischen Kontext befanden und die Kameralinse als „unerbittliches Auge der Wirklichkeit“ nicht nur das Kunstwerk, sondern auch seine Umgebung aufnahm. Oft behalf man sich damit, die Skulpturen vor einem Tuch zu fotografieren, wie beispielsweise die Figurengruppe von Giovanni Pisano in der Cappella degli Scrovegni in Padua. Die Ästhetik der Skulpturenfotografie änderte sich grundlegend, als man in den 1860er Jahren begann, Negative zu retuschieren. Häufig wurde nun der Hintergrund auf dem Negativ mit lichtundurchlässigen Substanzen abgedeckt, wodurch die Objekte aus ihrem Kontext gelöst und allein dargestellt werden konnten. Es blieb jedoch die Frage nach der „richtigen“ Ansicht der dreidimensionalen Werke, die gerade unter Vertretern des Faches Kunstgeschichte heftig diskutiert wurde. In diesem Zusammenhang publizierte Heinrich Wölfflin 1896 einen kurzen Aufsatz mit dem Titel „Wie man Skulpturen aufnehmen soll“. Darin beklagt er die Unkenntnis der meisten Fotografen darüber, „unter welchem Winkel zur Figur er seine Maschine“ aufzustellen habe, damit das „gebildete Auge“ die Perspektive „als Wohltat empfinde“ und die Aussage des Werks nicht durch eine falsche Perspektive verfälscht würde.


Romualdo Moscioni:‚Koloss von Barletta’ in Barletta“, Albuminabzug, vor 1893. Foto: 37,9 x 26,4 cm (Inv.-Nr. 4210)

Giorgio Sommer:Grabmal des Lodovico Aldomorisco von Antonio Baboccio in San Lorenzo in Neapel”, Albuminabzug, Nachlass Cornel von Fabriczy. Foto: 25,3 x 20,1 cm (Inv.-Nr. 18081)

Romualdo Moscioni: „Marmorkanzel in Santa Maria Assunta in Altamura“, Albuminabzug, vor 1893. Foto: 26,8 x 39,5 cm (Inv.-Nr. 4150)

Jean Laurent:Umkreis Pompeo Leoni: Grabmal Phillip II. in der Schloßkapelle des Escorial bei Madrid”, Albuminabzug, vor 1886. Foto: 27,8 x 39,3 cm (Inv.-Nr. 542530)

Armoni – Raffaelli: „Verkündigungsengel aus dem Museo dell’Opera del Duomo in Orvieto“, Albuminabzug, vor 1898. Foto: 25,3 x 18,6 cm (Inv.-Nr. 2390)

Nicht identifizierter Fotograf:Giovanni Pisano: Maria mit Kind und zwei Engeln, Cappella degli Scrovegni in Padua”, Silbergelatine-Abzug, um 1898. Foto: 20,1 x 22,7 cm (Inv.-Nr. 333274)

Nicht identifizierter Fotograf: „Umkreis Antonio Rizzo: Heiliger Sebastian aus der Sammlung Tozzi in Florenz“, Kohledruck. Foto: 37,3 x 25,3 cm (Inv.-Nr. 75852)

Nicht identifizierter Fotograf: „Umkreis Antonio Rizzo: Heiliger Sebastian, Sammlung Tozzi in Florenz“, Kohledruck. Foto: 36,8 x 24,8 cm (Inv.-Nr. 75853)

Harry Burton: „Zwei Heiligenstatuen aus der Sammlung Harry Burton in Florenz“, Aristotypie, 1904-1905, Nachlass Cornel von Fabriczy. Foto: 12,9 x 10,3 cm (Inv.-Nr. 18246)

Nicht identifizierter Fotograf: „Reiterstandbild des Gattamelata von Donatello in Padua“, Albuminabzug. Foto: 25,8 x 34,8 cm (Inv.-Nr. 13938)

Nicht identifizierter Fotograf: „Heilige Katharina aus dem ehemaligen Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin“, retuschierter Albuminabzug. Foto: 39,3 x 25,2 cm (Inv.-Nr. 435632)

Adolphe Braun & Cie.: „Michelangelo Buonarroti: Tondo Taddei aus der Royal Academy of Arts in London“, Kohledruck, vor 1905. Karton: 70 x 53,5 cm (Inv.-5126)




© KHI in Florenz | 01.10.2020 07:25:57