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Cimelia Photographica

Das Problem der Farbe

Während man sich der fotografischen Reproduktion von Zeichnungen, Architektur und Skulptur bereits sehr früh zuwendete, stellte die Malerei für das neue Bildmedium Fotografie eine besondere Herausforderung dar. Der Grund lag in der Farbigkeit der Objekte, deren getreue Wiedergabe für die frühe Fotografie aufgrund ihrer geringen Farbsensibilität enorme Schwierigkeiten bereitete. Die lichtempfindlichen Substanzen, mit denen die Negativplatten präpariert waren, reagierten – neben Weiß – am schnellsten auf Blau, während Rot, Gelb und Grün nur sehr langsam rezipiert wurden, was zur falschen Umsetzung der Farbigkeit in entsprechende Grauwerte führte. Auf die Reproduktion von Fresken und Gemälden hatte dies fatale Auswirkungen: Bildpartien, die im Original blau waren, wurden auf dem Foto weiß wiedergegeben, rot, gelb und grün erschienen viel zu dunkel und waren kaum voneinander zu unterscheiden. Besonders deutlich wird dieses Problem in den Aufnahmen der Giotto-Fresken der Cappella degli Scrovegni in Padua, die 1865 von dem venezianischen Fotografen Carlo Naya angefertigt wurden. Aus diesem Grund fotografierte man Fresken und Gemälde häufig nach monochromen Lithografien, die eigens zu diesem Zwecke angefertigt wurden. Erst als der Berliner Fotochemiker Hermann Wilhelm Vogel ab 1873 ein Verfahren entwickelte, mit welchem die Farbsensibilität der Negativplatte entscheidend verbessert werden konnte, erreichte die Fotografie von farbigen Objekten in den nachfolgenden Jahren zufriedenstellende Ergebnisse.


Carlo Naya: „Giotto: Der zwölfjährige Christus im Tempel, Fresko in der Cappella degli Scrovegni in Padua“, Albuminabzug, 1865. Foto: 18,7 x 23,8 cm (Inv.-Nr. 119413)

Carlo Naya: „Giotto: Die Erweckung des Lazarus, Fresko in der Cappella degli Scrovegni in Padua”, Albuminabzug, 1865. Foto: 18,5 x 24,1 cm (Inv.-Nr. 119415)

Médéric Mieusement: „Die Hochzeit zu Kana. Fresko im Kreuzgang der Abtei von Abondance (Haute-Savoie, Frankreich)“, Albuminabzug, August 1882. Foto: 27,5 x 39 cm (Inv.-Nr. 5620)

Vittorio Jacquier: „Fra Angelico: Engel vom Tabernacolo dei Linaioli, Museo di San Marco in Florenz”, Albuminabzug, um 1880. Foto: 25,3 x 18,6 cm (Inv.-Nr. 16470)

Nicht identifizierter Fotograf: „Kopie nach Tizian: Grablegung Christi, Wallraf-Richartz-Museum in Köln“, kolorierter Silbergelatine-Abzug. Foto: 25,4 x 37,6 cm (Inv.-Nr. 407360)

Josef Albert: „Bruno Piglhein: Moritur in Deo, Alte Nationalgalerie in Berlin“, Albuminabzug, 1879. Karton: 65,5 x 48,5 cm (Inv.-Nr. 595326)

Franz Hanfstaengel: „Carlo Maratta: Heilige Familie, Dulwich College in London“, Kohledruck?, 1900. Foto: 24,3 x 19,6 cm (Inv.-Nr. 268666)

Franz Hanfstaengel: „Bernardino Licinio: Bildnis einer Dame, Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden“, Kohledruck, 1901. Foto: 37,4 x 30,8 cm (Inv.-Nr. 7020)

Adolphe Braun & Cie.: „Leonardo da Vinci: Heilige Anna (Detail aus ‚Anna Selbdritt’), Louvre in Paris“, Kohledruck, vor 1904. Karton: 70 x 53,8 cm (Inv.-Nr. 5124)




© KHI in Florenz | 01.10.2020 07:25:25