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Nomos der Bilder. Manifestationen des Rechts in Bildatlanten und Fotoarchiven

Index und Spur im Fotoarchiv

Das archeíon (gr. Archiv) bezeichnet ursprünglich das Gebäude, in dem die Materialien aufbewahrt wurden, die das Recht betreffen. Auch Fotoarchive sind Speicherorte, aus denen heraus die Normativität der Rechtswelt rekonstruierbar ist. Für die Forensik z.B. werden Indexikalität und Faktizität der Photographie zu Parametern der Evidenz. Rechtsarchäologische Sammlungen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. angelegt wurden, setzen das Inventar der Funde und die Registrierung der Fundorte in ein Verhältnis zwischen dem Fundort und dem Speicherort im Archiv. Somit wird im Archiv eine materielle und erfahrbare „Realität“ gespeichert, wobei mit der ästhetischen und fiktionalen Ebene der Bilder unterschiedlich verfahren wird. Die Sammlung Karl von Amiras (1848–1930) versucht einen phänomenologischen Überblick zu geben. Sie besteht aus Zeichnungen, Kupferstichen, Photographien, Radierungen oder Aquarellen, die in thematischen Archiv-Mappen geordnet sind. Neben der fotografischen Evidenz wird hier die Kunstfertigkeit des kopierend zeichnenden Sammlers bedeutsam. Auch Hans Fehr (1874-1961) entwirft in Das Recht im Bilde (1923) „ein lebendiges Bild vom Recht der Vergangenheit“ und bezieht Kunstwerke in seine Studie mit ein, die sich auf den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Prozeß- und Strafvollzug konzentriert. „Zuerst war das Bild, dann kam die Norm” lautet hierbei seine Devise. Karl Frölich (1877-1953) stellt eigene Fotografien von erhaltenen Rechtsorten der Vor- und Frühgeschichte bis in die Frühe Neuzeit zusammen, wobei er sich auf die Manifestationen der Regulierung des Wirtschaftslebens konzentriert. Diese Bilder, Zeichen und Objekte des Rechts wurden als archäologische „Spuren" verstanden, die auf eine mögliche „Realität“ und Faktizität vergangener Bräuche und Traditionen des Rechts verwiesen. Die Verbindung von nicht-sprachlicher Quelle und historischer Rekonstruktion wird in der folkloristischen Vermischung von Archäologie, Rechtsgeschichte und Politik der NS-Zeit jedoch problematisch.


Sammlung der Photothek des KHI in Florenz. Foto: Stefano Fancelli

Assemblage der Mappe 5: Fiedeln, Block, Schandanhänger, Halseisen, Lastersteine, Strafmasken. Amira Archiv, München. Foto: Carolin Behrmann

Staupsäule, Grabstein, Freiheitsstein, Ehebruch. Abbildungen in: Hans Fehr, Das Recht im Bilde, 1923, S. 92-93

Zeugenbeweis, Bahrprobe, Eideshelfer, Folter. Abbildungen in: Hans Fehr, Das Recht im Bilde, 1923, S. 40-41

Gollenstein bei Blieskastel. Fotografie ca. 1930-50, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D050701a

Gerichtslinde in Untergneus (Stadtroda, Thüringen). Fotografie, ca. 1930-50, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D009101a

Ziegelmaße am Mauthaus in Nürnberg, Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D025301a

Marktzeichen in Münster (Westf.), Marktschwert/Sendschwert, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=M0003D002601a

Pranger am Rathaus in Bernkastel, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=G0012F127701a

Freigericht Kaichen (Niddatal, Wetteraukreis, Hessen). Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D916801a

Roland in Belgern (Landkreis Torgau-Oschatz, Sachsen). Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D055101a

Piazzetta San Marco mit den Säulen des Heiligen Markus und Theodorus, Hinrichtungsstätte in Venedig. Postkarte von H. Schnell an K. Frölich, 1943, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=G1391F483401a




© KHI in Florenz | 10.08.2020 07:31:48