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Nomos der Bilder. Manifestationen des Rechts in Bildatlanten und Fotoarchiven

Real Spaces: normative Bildregime

Megalithe, Thingstätten (germ. Versammlung) oder Gerichtslinden markieren Orte, die als Versammlungsräume des Rechts gelten. Kreisrunde Steinformationen wie die in Cavalese, werden als Zeugen bestimmter Bräuche der Rechtssprechung interpretiert, deren einzige Quelle meist nur sie selbst bilden. Ihre Funktion und Verwendung erklärt sich aus der spezifischen Form und dem Format, das an einen sozialen Kontext gebunden ist, der sowohl den sakralen Opferkult als auch die Gerichtsversammlung umfassen kann. Diese Deutungsoffenheit archäologischer Rechtsorte wurde in den 1930er Jahren problematisch, als die Nationalsozialisten das eigene Recht in der germanisch-heidnischen Tradition begründen wollten und diese Orte ideologisch besetzten. Im Unterschied zu symbolischen und vergegenwärtigenden Repräsentationen und Ikonographien lassen sich „reale Räume“ des Rechts zunächst phänomenologisch vor Ort erschließen, wobei der menschliche Körper das Maß bildet. Die Stadtmauer ist von Alberti und Vitruv als ein „sakrales Bauwerk“ beschrieben worden, in dessen Umfriedung das Recht erst ausgeübt werden könne. Durch die Kartographie wird ein Überblick der rechtmäßigen Grenzen, Wege und Institutionen einer städtischen Gemeinschaft gegeben. Hausecken und Fassaden, auf denen Wappen und Verbote angebracht sind, lenken die Handlungen im öffentlichen Raum. Orte der Repräsentation, wie der Platz mit dem Säulenmonument der Iustitia, erinnern allegorisch an die Macht des Normativen. Auch die hierarchische Ordnung in den Verhandlungsräumen des Gerichts ist für den Ablauf des Gerichtsverfahrens von Bedeutung. Die den Körper disziplinierende Anlage von Hinrichtungsstätte und Gefängnis, in denen das Recht zur Anwendung und Vollzug kommt, sollen die Wirksamkeit des nomos garantieren.


Stadtmauer, Via di Belvedere, Florenz. Foto: Hilde Lotz-Bauer, vor 1940, KHI, Photothek, Inv. Nr. 378105

Plan der Stadt Florenz, Veremondo Rossi, nach 1765. Kupferstich, 17.2 x 14.9 cm, KHI, Photothek, Inv. Nr. 74281

Dingstätte zu Cavalese. Fotografie und Rekonstruktionszeichnung, Mappe 22 a: Dingstätten, Gerichtshallen, Gerichtshäuser, Freistühle, Karl von Amira Archiv, München

Staupsäule (Pranger) auf Ringstrasse in Breslau. Postkarte vor 1945, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D057501a

Mauerecke der Casa Chiavacci an der Piazza Santa Croce in Florenz mit Wappen der Familie Peruzzi. Foto: Ivo Bazzechi, vor 1976, KHI, Photothek, Inv. Nr. 326348

Lärmverbotstafel an der Fassade von S. Maria Maddalena die Pazzi inFlorenz. Foto: Ivo Bazzechi, vor 1989, KHI, Photothek, Inv. Nr. 464778

Fassade des Palazzo della Mercanzia in Florenz mit Wappen. Foto: Ralph Lieberman, 1991, KHI, Photothek, Inv. Nr. 491730

Iustitia - Säule auf der Piazza Santa Trinità in Florenz. Foto: Hilde Lotz-Bauer, vor 1943KHI, Photothek, Inv. Nr. 382400

Loggia dei Lanzi in Florenz, um 1866, aquatinta, 14.1x21.1 cm. KHI, Photothek, Inv. Nr. 94304

Richtstätte auf der Piazza della Signoria in Florenz mit Hinrichtung Savonarolas, Foto: Brogi, um 1900, KHI, Photothek, Inv. Nr. 85427

"Le Stinche", Gefängnis Grundrisszeichnung, Bartolomeo Ammanati (GDSU, Florenz Inv. 3401A), Foto: Luigi Artini, KHI, Photothek, Inv. Nr. 604718

Westwand und Treppe im Hof des Bargello, Florenz, Foto: Ivo Bazzechi, vor 1992, KHI, Photothek, Inv. 491302




© KHI in Florenz | 19.06.2021 09:11:35