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Nomos der Bilder. Manifestationen des Rechts in Bildatlanten und Fotoarchiven

Metrik des Rechts

Maß, Zahl und Gewicht bilden die Fundamente von Recht und Gerechtigkeit. In Fotoarchiven lassen sich zahlreiche Aufnahmen von Artefakten finden, welche die Bedeutung der räumlichen und zeitlichen Metrik für die Rechtsfindung dokumentieren. Dazu zählen die ausgewogenen Waagschalen der Justitia, welche auf die Arithmetik des Wiegens und Messens deuten, die zu gerechten Urteilen führen soll und gleichzeitig an die Seelenwägung im Jüngsten Gericht erinnern. Hierzu gehört die christliche Vorstellung, dass Gott die Welt aus dem Chaos mit einem Zirkel erschuf und durch Messung und Zählung zu einem gerechten Richter wurde, was sich im Bild des Architekten spiegelt. Der deus geometra findet sich in der Kombination von Geometrie und Justitia wieder, in denen die Idee der göttlichen und weltlichen Gerechtigkeit mit arithmetischen und geometrischen Instrumenten verbunden wird. Die Waagschale repräsentiert hierbei auch die Idee der iustitia commutativa, laut Aristoteles das korrektive Urteil des Richters post facto, das nach ungerechten Geschäften die Gleichheit wieder herstellen sollte. Der Klang der Glocke, wie die des Bargello, bemaß hingegen Anfang und Ende einer Rechtshandlung. Zeitliche Maßinstrumente wie Sonnenuhren und Kompasse waren für das Wirtschafts- und Handelsrecht zentral. Mit Egnazio Dantis Quadrant an der Fassade von Santa Maria Novella konnte im 16. Jahrhundert die Zeit im Sinne der Gregorianischen Reform des Julianischen Kalenders neu berechnet werden. Im öffentlichen Raum deuten Marktzeichen wie Schwerter, Fahnen, Schilde oder Schwurhände auf die Freiheit und die Gerichtsbarkeit des Marktes und an Häuserwänden finden sich die hier geltenden Maßvorgaben noch heute im Stein verewigt. Das Maß der Folter wurde zwar durch den Richter bestimmt, doch gaben die Folterinstrumente das Maß vor, mit dem etappenweise das Geständnis des Angeklagten erpresst werden sollte.


Volkszählung, Szene aus dem Marienleben, Giuseppe und Apollonio Assini, zw. 1724/1741, Kapelle der Villa Bichi Borghesi, Scorgiano (Monteriggioni). Foto: Roberto Sigismondi, KHI, Photothek, Inv. 559291.

Fünf Gerichtsschreiber, Giovanni Battista Caporali, Perugia, Archivio di Stato, Sussidio Focolare 1525. Foto: Carlo Fiorucci, 1980, KHI, Photothek, Inv. 420262.

Notarielle Zählung des Inventars einer Familie, Ghirlandaio-Werkstatt, Fresko, ca. 1482, Oratorio dei Buonomini di San Martino, Florenz. Foto: Cipriani, KHI, Photothek, Inv. 41335.

Allegorie der Iustitia, Bronze, Piazza della Trinità, Florenz. Foto: Ralph Lieberman, KHI, Photothek, Inv. 475391.

Allegorie der Architektur mit Zirkel, Andrea Pisano, Campanile von Giotto, Florenz. Foto: Brogi, KHI, Photothek, Inv. 41596.

Glocke, Bartolomeo Pisano, Bronze, 1249, Museo Nazionale del Bargello, Florenz. Foto: Unbekannter Fotograf, KHI, Photothek, Inv. 80981

Astronomischer Mauerquadrant mit Sonnenuhr, Marmor und Metall, Egnazio Danti, 1574, Fassade von Santa Maria Novella, Florenz, Foto: Ivo Bazecchi, KHI, Photothek, Inv. 540032.

Marktmaße am Rathaus in Augsburg, Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D025101a

Ziegelmaße am Mauthaus in Nürnberg, Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D025401a

Marktzeichen/ Immunitätszeichen, Steinerne Hand (Handschuh) an der Stadtgrenze in Neuenbürg (Schwarzwald). Foto: Karl Frölich, Sammlung Karl Frölich, MPI für Europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt/M., Inv. SF=F0000D058901a

Freiheitsstein in Sankt Gallen, Fotografie, Foto: Anonym, Karl von Amira Archiv, München, Mappe 18, Nr. 1.

Daumenschrauben aus dem Germanischen Nationalmuseum München, Karl von Amira, Zeichnung, Tinte. Karl von Armira Archiv, München, Mappe 36: Folter, Folterinstrumente, V. 90m-90t.




© KHI in Florenz | 19.06.2021 09:09:08