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Visualisierung des Unsichtbaren in Zeichnungen Michelangelos aus der Casa Buonarroti

Planimetrische Skizze: Rom

Auf diesem Blatt, dessen Papier von sehr hochwertiger Qualität ist, verbirgt sich zwischen den mit schwarzer Kreide gezeichneten anatomischen Studien eines Pferdes ein älterer Plan aus roter Kreide. Die hier erstmals präsentierte Rekonstruktion enthüllt eine planimetrische Skizze des Gebietes um die Via della Lungara in Rom, zwischen Trastevere und dem Vatikan gelegen. Solche Art von Skizzen waren in der Renaissance eher selten. Es ist leicht vorstellbar, dass Michelangelo diese Skizze um 1542 anfertigte, als, wie Vasari berichtete, zwischen ihm und Antonio da Sangallo dem Jüngern eine heftige Auseinandersetzung über die Versuche einer Befestigung des Borgo Vaticano und der Bastionen bei der Porta Santo Spirito ausbrach. Dieses Blatt zeigt außerdem Michelangelos Interesse an einer Verteidigungsmöglichkeit des Vatikans vom Gianicolo aus, jenseits der Porta San Pancrazio. Man kann darin eine Analogie zu den von Michelangelo 1529 in Florenz vorgesehenen Vorkehrungen der Verteidigung des Hügels von San Miniato erkennen. Wie häufig in den autografischen Blättern Michelangelos, kann man auch hier erkennen, wie der Künstler während des Zeichnens Ideen immer wieder neu ordnete: das Castel Sant‘ Angelo mit zugehöriger Brücke wurde erneut gezeichnet und dabei etwas nach links verrückt.


Casa Buonarroti, inv. 22 F recto, Anatomische Pferdestudien und planimetrische Skizze Roms, um 1540; rote und schwarze Kreide (403 x 257 mm); Standlichtaufnahme.

Casa Buonarroti, inv. 22 F recto, planimetrische Skizze Roms; Freilegung der roten roten Kreidespuren.

Casa Buonarroti, inv. 22 F recto, planimetrische Skizze Roms; Hervorhebung der roten Kreidespuren.

Gegenüberstellung der planimetrischen Skizze Roms (um 180° gedreht) und der damit korrespondierenden Gebiete in der Nuova Topografia di Roma von Giovanni Battista Nolli, 1748.

Casa Buonarroti, inv. 22 F recto; Durchlichtaufnahme.

Casa Buonarroti, inv. 22 F verso; Standlichtaufnahme.




© KHI in Florenz | 18.09.2019 00:42:11