font-awesome-load
material-design-icons-load

Die Elfenbeintafeln in Salerno – neu fotografiert

Die Fotokampagne vor 1893

Seit Anfang des 16. Jahrhunderts ist schriftlich belegt, dass die Elfenbeine in einer Kapelle, der sogenannten Schatzkammer, hinter der Sakristei des Doms von Salerno aufbewahrt wurden. Zeitweilig als Antependium zusammengefügt oder in den Altar integriert und schließlich – nachdem einige Tafeln verschwunden waren – einzementiert, ist weder die Provenienz noch die ursprüngliche Funktion der Reliefgruppe endgültig bestimmt.
Spätestens seit den 1870er Jahren zogen die Tafeln vermehrt die Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker und Gelehrten auf sich und 1903 erwarb das erst wenige Jahre zuvor gegründete Kunsthistorische Institut in Florenz für 30 Lire 35 Aufnahmen des „Paliotto di Salerno“ von Romualdo Moscioni, der seit 1868 ein Fotoatelier in Rom führte. Im Inventarbuch der Photothek ist die Serie von Fotografien mit dem Vermerk „Blau angestrichen im Moscioni Katalog von 1893“ verzeichnet. Zum selben Preis werden sie auch in den späteren Katalogen Moscionis von 1903 und 1921 angeboten. Neben den Haupttafeln des Neuen und Alten Testaments fotografierte Moscioni aber auch einige Gipsabgüsse, die wohl der italienische Kunsthistoriker Demetrio Salazaro anfertigen und in seiner Publikation von 1871 abbilden ließ.
Einige der von Moscioni fotografierten Tafeln wie „Die Segnung Noahs“ sind auf den historischen Gesamtaufnahmen nicht auszumachen. Daher ist zu vermuten, dass sie seitlich am Antependium angebracht waren. Zwei weitere historische Aufnahmen zeigen neben den Scharnieren am Holzrahmen der Installation auch drei dilettantisch hergestellte Gipse mit floralem Dekor, ohne dass die entsprechenden Originale in Elfenbein erhalten wären.
Das an grober Schnur befestigte Schild, das auf einer der Fotografien Moscionis am oberen Rand des Antependiums zu sehen ist, verleiht diesem den Charakter eines Museumsobjekts.


Romualdo Moscioni, Historische Aufstellung der Tafeln als Antependium, linke Hälfte, vor 1893, Albuminpapierabzug, 19,6 x 25,5 cm, Moscioni Neg. Nr. 6111, Inv. Nr. 28894

Romualdo Moscioni, Historische Aufstellung der Tafeln als Antependium, rechte Hälfte, vor 1893, Albuminpapierabzug, 19,9 x 25 cm, Moscioni Neg. Nr. 6110, Inv. Nr. 3754

Romualdo Moscioni, „Moses empfängt die Gesetzestafeln“ (Gipsabguss?), vor 1893, Albuminpapierabzug, 19,8 x 25,2 cm, KHI Inv. Nr. 3787

„Moses empfängt die Gesetzestafeln“, 8,9 x 11,4 cm, KHI Inv. Nr. 613828

Romualdo Moscioni, „Gott befiehlt Noah, die Arche zu verlassen / Noahs Opfer“ und Tafel mit floralem Element (Gipsabguss?), vor 1893, Albuminpapierabzug, 25,4 x 20 cm, Moscioni Neg. Nr. 10385, KHI Inv. Nr. 4345

„Gott befiehlt Noah, die Arche zu verlassen / Noahs Opfer“, 10,3-10,5 x 21,8 cm, KHI Inv. Nr. 613780

Romualdo Moscioni, Rahmenfragment mit floralem Dekor (Gipsabguss?), vor 1893, Albuminpapierabzug, 25,4 x 20 cm, KHI Inv. Nr. 3788

Zwei Rahmenfragmente, 12,6 × 7,2 cm; 7,5 × 7,2 cm, KHI Inv. Nr. 613965

Romualdo Moscioni, „Stabwunder / Wunder der aussätzigen Hand“ (Gipsabguss?), vor 1893, 25,4 x 20 cm, Albuminpapierabzug, Moscioni Neg. Nr. 10387, KHI Inv. Nr. 3785

Romualdo Moscioni, Historische Aufstellung der Tafeln als Antependium, Ausschnitt, vor 1893, 25,5 x 19,9-20,2 cm, Albuminpapierabzug, Moscioni Neg. Nr. 10371, KHI Inv. Nr. 3786

Apostel, 5,5 x 6 cm, KHI Inv. Nr. 613989

Rahmenfragment, 24 x 7,1 cm, KHI Inv. Nr. 613963




© KHI in Florenz | 31.10.2020 02:10:44