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Into the Archive. On the Materiality of Photographs

Arbeit am Foto-Objekt

Schon im 19. Jahrhundert wurden Fotografien als Instrumente wissenschaftlichen Arbeitens verwendet. Dabei handelte es sich nie um unberührte neutrale Abbildungen des Dargestellten. Im Gegenteil: Erst ihre Bearbeitung machte Fotografien zu wissenschaftlich verwertbaren Bildern. Mit ihrem Eintritt in ein Archiv wurden fotografische Abzüge oft auf Karton montiert und dabei mit Stempeln, Signaturen, Nummern und diversen Annotationen versehen. Auch Negative konnten nummeriert, klassifiziert und beschriftet werden. Ein integraler Bestandteil des fotografischen Verfahrens war außerdem die Retusche: In Vorbereitung auf eine Publikation wurden zum Beispiel unerwünschte Partien im fotografischen Abzug abgedeckt und neu fotografiert. Kolorierungen auf dem Positiv dienten dazu, die Farbigkeit des abgebildeten Objektes beziehungsweise seiner Materialität vor Augen zu führen. Daneben gehört auch das Schneiden zu den häufigsten Vorgängen im Umgang mit Foto-Objekten. Abzüge wurden ausgeschnitten und zu Collagen oder Bildsequenzen neu zusammengefügt. Durch das Anschneiden der Ränder konnten Fotokartons den standardisierten Schachteln des jeweiligen Archivs angepasst werden. Schließlich erforderten die unterschiedlichen Formate, in denen die Fotografien vorlagen, verschiedene Arten der Handhabung wie das Auslegen auf Karton montierter Abzüge, das haptische Browsen in Schränken, Schubladen und Schachteln oder auch das Aus- und Aufrollen eines Negativstreifens. Viele dieser historischen Praktiken haben sich bis heute erhalten, wurden weiterentwickelt und teilweise ins Digitale überführt.


Nummerndetail und Durchstreichung einer Negativrolle, Digitalfotografie, Wiebke Zeil, 2016, Ausschnitt der Negativrolle HNN 05/048, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Inventarnummer eines Foto-Kartons, 1964, Inv. Nr. 198308, Abt. Kunstgewerbe, Photothek, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI.

Inventarnummer eines Foto-Kartons, um 1910, Inv. Nr. 1913, 610, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Inventarnummer und Ortsbeschriftung eines Foto-Kartons, um 1891 (oben)/2016 (unten), Inv. Nr. FA-Mag04-0010, Antikensammlung, SMB.

Retuschierte und zerschnittene Albuminabzüge, Otto Haeckel, vor 1925, links: 16,1 x 5,4 cm (Foto), rechts: 16 x 6 cm (Foto), in: Archivbox A.I.1.3.4 (Hahne-Nachlass), Archiv der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Volkskunde, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Fundamente des Altars in Pergamon, retuschierter Kollodiumabzug auf Karton, Carl Humann?, 1883–1886, 21,2 x 26,5 cm (Foto), Inv. Nr. FA-Perg11b-0001, Antikensammlung, SMB.

Berlin-Kreuzberg: Kürassierstr. 21/22, Kinderasyl der Schmidt-Galleschen-Stiftung, Waisenhaus von Südosten, retuschiertes Albuminpapier auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1901, 26,1 x 34,8 cm (Foto), Inv. Nr. 1912, 300, Geschenk des Ernst Wasmuth Verlags, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Raubkatze, kolorierter Silbergelatineabzug auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, um 1900? (Galleria Sangiorgi, Rom?), 19,3 x 15,2 cm (Foto), Inv. Nr. 615804, Abt. Kunstgewerbe, Photothek, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI.

Fragment vom Westfries des Artemisions in Magnesia am Mäander, ausgestellt im ersten Pergamonmuseum in Berlin, Kollodiumabzug? auf angeschnittenem Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1901–1904, 22,6 x 29,2 cm (Foto), Neg. Nr. PM 1423, Inv. Nr. FA-Mag04-0006, Antikensammlung, SMB.

Salem (MA): Miss Susan E. Osgoods Garden, Rankhilfen für Pflanzen, Albuminpapiere auf in der Mitte zerschnittenem Kartonträger mit Anzeichnungen für weiteren Beschnitt, Frank Cousins, um 1910, links: 23,7 x 18,7cm (Foto), rechts: 23,6 x 18,7cm (Foto), Inv. Nr. 1913, 610, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Lichtmeß Glinde, ausgeschnittene Kontaktabzüge auf Papier, Heinz Julius Niehoff?, nach 1933, nach 1945 zerschnitten und als Trennblatt genutzt, in: Archivbox B.I.2.2.1.2.2, Trennblatt Nr. 9, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Landesstelle für Volkskunde, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Zwei Helme, retuschierte Silbergelatineabzüge zerschnitten und zusammengeklebt, nicht identifizierter Fotograf, um 1900? (Galleria Sangiorgi, Rom?), oben: 9,4 x 6,6 cm (Foto), unten: 16,5 x 7,5-7,6 cm (Foto), Inv. Nr. 615847, Abt. Kunstgewerbe, Photothek, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI.

München, verschiedene Villen und Privathäuser, Albuminpapiere auf angeschnittenen Kartonträgern, nicht identifizierter Fotograf, 1893–1910, Inv. Nr. 1912, 300, Geschenk des Ernst Wasmuth Verlags, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Arbeiten mit den Fototafeln in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, Digitalfotografie, Franka Schneider, 2015.

Ausheben und Sichten von Karteikarten im Institut für Europäische Ethnologie, Digitalfotografie, Wiebke Zeil, 2016.

Handschriftliche Beschriftung einer Negativrolle (Detail), Digitalfotografie, Wiebke Zeil, 2016, Detail der Negativrolle HNN 03/056, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.




© KHI in Florenz | 23.10.2021 19:29:34