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Into the Archive. On the Materiality of Photographs

Menschen im Bild

Fotografien sind menschengemachte soziale Objekte. Dieser Aspekt bestimmt ebenfalls ihre Materialität. Einerseits sind Menschen durch ihre Eingriffe am Foto-Objekt indirekt materiell präsent. Fotografen, Assistenten, Laboranten, Retoucheure, Archivare, Wissenschaftler und Restauratoren hinterlassen ihre Spuren. Andererseits treten sie auch unmittelbar in Erscheinung, nämlich auf der Fotografie selbst. Gelegentlich werden dabei die Fotografierenden im Bild sichtbar: als Akteure mit Kamera, in einer sich spiegelnden Oberfläche oder als Schatten. Die Volks- und Völkerkunde lichtete einzelne Personen und Menschengruppen darüber hinaus auch als Forschungsgegenstände ab. Sie (re-)produzierten dabei Ideologien ethnischer, „rassischer“ bzw. „völkischer“ Zugehörigkeit und Gemeinschaft, die die Basis des nationalsozialistischen Regimes bildeten und die öffentliche, politische Kultur strukturierten. Der Kunstgeschichte und Archäologie dienten Menschen nicht selten als Größenorientierung oder Markierung einer Position. Bisweilen fehlt der Mensch auch ganz und nur die Messlatte bleibt als Referenzobjekt in der Fotografie zurück. Manche der Fotografierten blicken direkt in die Kamera. Es ist schwer zu sagen, ob solche Aufnahmen inszeniert sind oder nicht. Der Blickkontakt mag zufällig oder, aufgrund verschiedener Intentionen, auch bewusst hergestellt worden sein. Bisweilen erzeugen die wortlosen Gegenblicke der Fotografierten ein Gefühl von Widerstand, das ihnen gegenüber dem Betrachter die Macht über ihr eigenes Bild zurückzugeben scheint.


Lätare, Salzmünde, [Heinz Julius Niehoff, Mitte, mit Kamera in einem Festzug], montiert in einer aufklappbaren Karteikarte, nicht identifizierter Fotograf, o. D., 8,2 x 13,3 cm (Foto), in: Karteikasten B.I.2.4.14.–2, Archiv der Berlin- Brandenburgischen Landesstelle für Volkskunde, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Trachtenfest Eisenach [Festfolge als Dokument ‚völkischer‘ Gemeinschaft im NS], Kleinbildnegative (AGFA), Heinz Julius Niehoff?, nach 1933, Ausschnitt der Negativrolle Nr. HNN 03/062, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Trachtenfest Eisenach [einzelne Personen als Teil ‚völkischer‘ Gemeinschaft im NS fotografiert], Kleinbildnegativ (AGFA), Heinz Julius Niehoff?, nach 1933, Ausschnitt der Negativrolle Nr. HNN 03/062, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Querfurt [Bekenntnis zur ‚völkischen‘ Gemeinschaft im NS], Kleinbildnegativ (Perutz), Heinz Julius Niehoff?, nach 1933, Ausschnitt der Negativrolle Nr. HNN 04/037–36, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Heinz Julius Niehoff fotografierend, nicht identifizierter Fotograf, Arbeitsabzug um 1995, 18 x 13 cm (Foto), Abzug des Negativs Nr. HNN 07/091–03, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU-Berlin.

Spiegel mit reflektierter Kamera auf Stativ und Fotograf, Kollodiumabzug, nicht aufgezogen, nicht identifizierter Fotograf, um 1900?, 17 x 11,5 cm (Foto), Inv. Nr. 615904, Abt. Kunstgewerbe, Photothek, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI.

Pergamon: Heroon. Gräber über dem Süd(?)-Teil, Kollodiumabzug, nicht identifizierter Fotograf, vor 1927, 12,1 x 17,3 cm (Foto), Neg. Nr. PM 6493, Inv. Nr. FA-Perg67-0001, Antikensammlung, SMB.

Chorgestühl, 14.–16. Jh., Albuminpapier auf Karton, Candido Verri (Perugia), um 1900?, 24,2 x 16,5 cm (Foto), Inv. Nr. 434592, Geschenk Vannini Parenti aus dem Nachlass Elia Volpi, Abt. Kunstgewerbe, Photothek, Kunsthistorisches Institut in Florenz – MPI.

Salem (MA): Nichols House, 80 Federal Street, Zaunpfosten, Albuminpapier auf Karton, Frank Cousins, um 1910, 23,7 x 18,9 cm (Foto), Inv. Nr. 1913, 610, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

München-Sendling: Villa Roman Mayer, Plinganserstraße 59, Albuminpapier auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1896, 23 x 34,8 cm (Foto), Inv. Nr. 1912, 300, Geschenk des Ernst Wasmuth Verlags, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Oberkörper einer Stützfigur (Doppelstatue) in der Roten Halle in Pergamon, Albuminpapier auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1900, 16,8 x 23 cm (Foto), Inv. Nr. FA-Perg34-0002, Antikensammlung, SMB SPK.

Oberkörper einer Stützfigur (Doppelstatue) in der Roten Halle in Pergamon, Albuminpapier auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1900, 17,1 x 23,3 cm (Foto), Inv. Nr. FA-Perg34-0003, Antikensammlung, SMB SPK.

Steckreiterfest Molschleben, Pfingsten 1930, Heinz Julius Niehoff?, Arbeitsabzug um 1995, 13 x 18 cm (Foto), Abzug des Negativs Nr. HNN 07/091–03, Hahne-Niehoff-Archiv, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin.

Salem (MA): Hauseingang, Albuminpapier auf Karton, Frank Cousins, um 1910, 23,3 x 18,3 cm (Foto), Inv. Nr. 1913, 610, Sammlung Fotografie, Kunstbibliothek, SMB.

Pergamon: Heratempel, Kollodiumabzüge auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, ca. 1900–1910, links 14 x 8,3 cm, rechts 13,9 x 8,1 cm, Neg. Nr. PERG 2178 und PERG 2179, Inv. Nr. FA-Perg75-0001, Antikensammlung, SMB.

Säulenkapitell vom Artemision in Magnesia am Mäander, Kollodiumabzug? auf Karton, nicht identifizierter Fotograf, 1891, 12,2 x 20 cm (Foto), Neg. Nr. PM 1380, Inv. Nr. FA-Mag02-0002, Antikensammlung, SMB.




© KHI in Florenz | 23.10.2021 20:04:26