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Ramboux. Zwischen Kunst und Kunstgeschichte

Kunsthistoriografie und religiöse Rezeption

Franz Kugler pries 1858 die Umrisse von Ramboux als eine „Art künstlerischer Urkundensammlung“, nützlich für die Forschung trotz subjektiver Auswahl und unsystematischer Anordnung der kopierten Werke. Er bestritt aber eine religiös-erbauliche Wirkung, die wiederum von Adolphe-Napoleon Didron gerühmt wurde. Der katholische Mediävist feierte 1852 das Tafelwerk seines Freunds als revolutionär für die christliche Erneuerung der Kunst und plante dazu eine kommentierende Schrift mit dem Titel Cours de dessin chrétien. Zur Fortführung des Tafelwerks mit Kopien von vollständigen, ikonographisch geordneten Bildern ist es trotz weiterer 80 dafür geschaffenen Lithografien nicht gekommen. Seine nazarenische Kunstauffassung machte Ramboux aber 1865 noch einmal anschaulich in einer meist mit persönlicher Widmung verschenkten, privat in wenigen Exemplaren gedruckten Publikation. Der Trostspiegel in den Widerwärtigkeiten des Lebens. Dreissig Marienbilder zur Lauretanischen Litanie nach Gemälden italienischer Meister des XIV.-XVI. Jahrhunderts aus der Privatsammlung des Conservators des städtischen Museums zu Cöln J.A.Ramboux war eine Anleitung zur religiösen Rezeption alter Kunst am Beispiel der eigenen Sammlung. Die chronologische Anordnung der Tafeln weist das Werk als kunsthistorische Literatur aus. Zugleich zeigt das Inhaltsverzeichnis eine zweite, nämlich religiöse Ordnung, indem – in einer anderen Reihenfolge – jeder Mariendarstellung eine Anrufung der Lauretanischen Litanei zugeordnet ist. Die kunsthistorische Publikation wird so zur Erbauungsliteratur. Ihr religiöser Charakter wird betont durch eine vorangestellte Lithografie mit dem Autorenbild: Von seinem Namenspatron Antonius empfohlen, erscheint Ramboux, verkleidet als Dante Feder und Buch haltend, zu Füßen Marias, um ihr mit dem Canto XXIII del Paradiso und dem eigenen Tafelwerk zu huldigen.


Titelblatt des Trostspiegels von Ramboux, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Deutsch Modern zu, Inv.-Nr. 616279

Trostspiegel mit handgeschriebener Widmung Ramboux‘ auf dem Vorsatzblatt, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Deutsch Modern zu, Inv.-Nr. 616278

Ramboux: Inhaltsverzeichnis des Trostspiegels, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Deutsch Modern zu, Inv.-Nr. 616280

Madonna mit Kind und den Heiligen Ansanus und Katharina von Siena, Ramboux nach Bartolomeo Neroni?, Köln, Wallraf-Richartz-Museum (1943 verbrannt), ehem. Sammlung Ramboux; aus: Trostspiegel, 28, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Ren. zu, Inv.-Nr. 616336

Marienkrönung, Ramboux nach Niccolò di Segna di Buonaventura, Budapest, Szépmüvészeti Múzeum, ehem. Sammlung Ramboux; aus: Trostspiegel, 8, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Got. zu, Inv.-Nr. 616316

Madonna mit Kind, Ramboux nach Ambrogio Lorenzetti, Budapest, Szépmüvészeti Múzeum, ehem. Sammlung Ramboux; aus: Trostspiegel, 7, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Got. zu, Inv.-Nr. 616315

Der Heilige Antonius empfiehlt Ramboux als Autor des Trostspiegels der Madonna, Ramboux; aus: Trostspiegel, erste und nicht nummerierte Lithografie, Florenz, Privatbesitz; KHI Photothek, Graphik Mal. Deutsch Modern, Inv.-Nr. 616308

Dante Alighieri, Ramboux nach Giotto-Schüler, Florenz, Bargello, Magdalenenkapelle; aus: Umrisse, I-08-038; KHI Bibliothek, Sign. H 4559 u (RARO); KHI Photothek, Graphik Mal. Got. zu, Inv.-Nr. 616113




© KHI in Florenz | 26.05.2019 10:53:42