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Architecture in Photography

Stürzende Linien

Bei der Aufnahme von Gebäudefassaden, Straßenschluchten oder Kirchen- und Rathaustürmen riskieren Fotografen bei unzureichend technischer Ausrüstung (fehlende Spezialobjektive oder Fachkameras) noch heute, dass die aufstrebenden Linien verzerrt wiedergegeben werden und die Monumente damit auf der Fotografie in eine Art Schräglage geraten. Denn die Kamera unterliegt den Gesetzen der Zentralperspektive. Dabei muss sich der Bildträger (Negativplatte, Filmplatte oder bei digitalen Kameras der Bildsensor) jedoch parallel zum abzubildenden Objekt befinden. Wird die Kamera gekippt, um beispielsweise einen größeren Bildausschnitt zu erhalten, sind korrigierende Techniken erforderlich, um stürzende Linien zu vermeiden
In den schon früh kursierenden Fotografischen Handbüchern, die nicht nur Profis, sondern auch Amateurfotografen als Anleitung dienten, wurden daher bereits längere Abschnitte der Bewältigung perspektivischer Probleme gewidmet. Unter Verwendung einer Optischen Bank war es schon sehr früh möglich, perspektivische Verzerrungen während des Fotografierens zu korrigieren. In seinem Fotografische[n] Fehlerbuch (1895) gibt der Leiter des Photographischen Instituts an der Großherzoglichen Technischen Hochschule in Karlsruhe die Anleitung zu einer nachträglichen Korrektur am Positiv durch die Optischen Bank: Das Positiv wird in einem entsprechenden Winkel positioniert und abfotografiert, wobei die Mattscheibe der Kamera dabei im gleichen Winkel – allerdings entgegengesetzt – ausgerichtet ist. In der Reproduktion sind die konvergierenden Linien dann ausgeglichen. Heute lassen sich auch mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen stürzende Linien im Nachhinein entzerren; bei professionellen Kampagnen mit entsprechender Ausrüstung geschieht dies jedoch meist schon während der Aufnahme.


Romualdo Moscioni: Santa Maria Maggiore, Barletta, Albuminpapier, 39,2 x 26,4 cm (KHI, Inv. Nr. 4201)

Fratelli Alinari: San Lorenzo Maggiore, Neapel, vor 1922, Silbergelatineabzug, 26,2 x 19,4 cm (KHI, Inv. Nr. 65013)

Hilde Lotz-Bauer: Palazzo Davanzati, Florenz, vor 1943, Barytabzug (KHI, Inv. Nr. 378127)

Luigi Artini: Sant'Antimo, vor 1978, Barytabzug, 23,9 x 18 cm (KHI, Inv. Nr. 347176)

Hilde Lotz-Bauer: Palazzo del Bargello, Florenz, vor 1940, Barytabzug, 24,2 x 18 cm (KHI, Inv. Nr. 378132)

Giorgio Laurati: Dom, Florenz, Barytabzug, 22,9 x 16,2 cm (KHI, Inv. Nr. 576130)

Fritz Schmidt: Photografisches Fehlerbuch. Ein illustrierter Rathgeber für Anfänger und Liebhaber der Photographie, Karlsruhe 1895, S. 20

Fritz Schmidt: Photografisches Fehlerbuch. Ein illustrierter Rathgeber für Anfänger und Liebhaber der Photographie, Karlsruhe 1895, Tafel 5

Roberto Sigismondi: Campanile des Doms, Cortona, 2013, Abzug auf R-C Papier, 23,5 x 17,7 cm (KHI, Inv. Nr. 610713)

Luigi Artini: Palazzo Pubblico mit Torre del Mangia, Siena, vor 1983, Barytabzug, 19 x 18 cm (KHI, Inv. Nr. 413849)

Luigi Artini: Palazzo Pubblico mit Torre del Mangia, Siena, vor 1983, Barytabzug, 19 x 18 cm (KHI, Inv. Nr. 413850)

Aufnahme Artinis mit Korrektur der perspektivischen Verzerrungen




© KHI in Florenz | 19.06.2021 05:09:07