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PHOTOGRAPHIE UND KATASTROPHE. Antonio Di Cecco im Dialog mit den Sammlungen der Photothek

mensch, natur, katastrophe

Die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt ist ein fundamentales Thema der Menschheitsgeschichte. Daraus ergibt sich eine gegenseitige Konditionierung, insofern das kulturelle und soziale System einer Gesellschaft von der Umwelt mitgeformt wird und gleichzeitig der Mensch die ihn umgebende Landschaft durch seine Eingriffe immer wieder neu gestaltet. Die sogenannten ‚Natur’-Katastrophen spielen in diesem Verhältnis eine entscheidende Rolle. Wenn einerseits Vulkanausbrüche, Erdbeben, Überschwemmungen in besiedelten Gebieten eine irreversible Veränderung des sozialen Gleichgewichts zur Folge haben, so können andererseits menschliche Eingriffe in das Ökosystem diese Katastrophen ausgelöst haben.
Das erste Kapitel der Ausstellung beleuchtet diese wechselseitige Beziehung diachronisch anhand formaler/bildlicher Dialoge. Die Photographie einer Vesuv-Exkursion am Ende des 19. Jahrhunderts wird einer Aufnahme gegenübergestellt, die eine Gruppe Geologen zeigt, wie sie nach den jüngsten Erdbeben in Mittelitalien (2016/2017) die tektonische Bruchstelle am Monte Vettore in Augenschein nehmen. Die Anhöhen der vulkanischen Landschaften um Ätna und Vesuv treten mit den Formen der Monti Sibillini, hier in Form eines Diptychons, in Beziehung. Die visuelle Spurensuche folgt Orten, Phänomenen und Stimmungen, die Zeichen und Veränderungen in Landschaft und urbanen Räumen sichtbar machen, von Vulkankratern über von Erdrutschen gezeichneten Landschaften bis zu durch Erdbeben zerstörten Gegenden. Betrachtet werden außerdem neue Formen des Wohnens, die nach Katastrophen entstanden sind, die Beziehung zwischen Orten, die nach ihrer Zerstörung durch Erdbeben an anderer Stelle wiederaufgebaut wurden (Bussano, Gibellina), sowie die neu entstandenen Ruinen und die Versuche ihrer Neusemantisierung.


Fotostudio Brogi, um 1895 (?), Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 186885 // NEAPEL (UMGEBUNG), Ausbruch des Vesuvs 1895 // Inspektion des aktiven Vulkankraters.

Antonio Di Cecco // MONTE VETTORE, Juni 2018 //Geologische Begutachtung in der Gegend der tektonischen Bruchstelle des Bebens vom 30. Oktober 2016.

Photoschachtel der Sektion “Architektur”, Photothek des Kunsthistorischen Instituts

Fotostudio Brogi, vor 1912, Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 254426 // ÄTNA, Vallata del Bove mit Ansicht des großen Kraters.

Photoschachtel der Sektion “Architektur”, Photothek des Kunsthistorischen Instituts

Nicht identifizierter Fotograf, nach 1915, Silbergelatineabzug, Inv. Nr. KHI 121173 // ALBA FUCENS (L’Aquila) nach dem Erdbeben von 1915.

Nicht identifizierter Fotograf, um 1900 (?), Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 197939 // CIVITA DI BAGNOREGIO (Viterbo) // Die den Ort umgebende Landschaft entstand durch Erosion und Erdrutsch der umliegenden Hügel.

Antonio Di Cecco // PONZANO (Teramo), Februar 2017 // Hangrutsch, der für den Ort eine Gefährdung darstellt. Der Erdrutsch ereignete sich am 12. Februar 2017. Man vermutet, dass das Ereignis durch mehrere Faktoren ausgelöst wurde: die Erdstöße vom 18. Januar 2017, die anhaltenden Niederschläge und die Schneeschmelze.

Fotostudio Brogi, vor 1899, Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 244803 // RIVIERA DI PONENTE, Blick auf Bussana vecchia // Die Ortschaft Bussano (Imperia) verwaiste nach dem Erdbeben von 1887.

Fotostudio Brogi, vor 1899, Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 244802 // RIVIERA DI PONENTE, Blick auf Bussana nuova // Das neue Bussano (Imperia) wurde 3 km entfernt vom alten Bussano, das 1887 von einem Erdbeben stark zerstört worden war, wiedererrichet.

Antonio Di Cecco // GIBELLINA VECCHIA (Trapani), Grande Cretto von Alberto Burri, August 2018 // Il Grande Cretto wurde aus Materialien, die aus Gibellina stammten, errichtet. Die ländlich-historische Ortschaft war beim Erdbeben, das Belíce im Januar 1968 heimsucht hatte, komplett zerstört worden. Die Spalten der Oberfläche geben das Relief und die Straßenzüge des historischen Gibellina wieder. Das neue Gibellina wurde 18 km entfernt errichtet.

Antonio Di Cecco // PESCARA DEL TRONTO (Ascoli Piceno), Januar 2017 // Das Dorf nach dem Erdbeben vom 24. August 2016.

Photoschachtel der Sektion “Architektur”, Photothek des Kunsthistorischen Instituts

Fotostudio Brogi, um 1895, Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 249637 // NEAPEL, Panorama mit aktivem Vesuv (5. Juli 1895) // Seit der Antike lebt Neapel mit der ständigen Bedrohung durch den Vesuv. Der letzte Ausbruch fand 1944 statt. Einige Ortschaften am Fuße des Vulkans wurden dabei vollständig zerstört.

Fotostudio Brogi, vor 1912, Albuminabzug, Inv. Nr. KHI 254425 // NICOLOSI, Blick vom Monte Rossi auf den Ätna und die Lavamassen von 1886 // Die im Laufe der Geschichte häufigen Ausbrüche des Ätna haben die Gestalt des Vulkans und der umliegenden Landschaft geformt.

Antonio Di Cecco // MONTE LIETO, NATIONALPARK DER MONTI SIBILLINI, November 2016 // Straße zwischen Castelsantangelo sul Nera (MC) und Castelluccio di Norcia (PG). Die Straße wurde durch die Erdbeben 2016 schwer beschädigt. Im September 2018 war sie immer noch für den Verkehr gesperrt.




© KHI in Florenz | 24.02.2021 23:53:16