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Encounters: Migrants * Photographers * Artists * Activists

Rob Pinney

Calais

Als Ausgangspunkt für See- und Bahnreisen nach Großbritannien ist die nordfranzösische Küstenstadt Calais zu einem „Hotspot“ für Asylsuchende geworden, die darauf hoffen, im Vereinigten Königreich ein neues Leben aufzubauen.

„Der Dschungel“ – eine häufige Bezeichnung der Slums, die zum Synonym für Calais geworden sind – ist kein bestimmter Ort. Aber er wurde besonders eng mit der Barackensiedlung assoziiert, die an einer früheren Deponie nicht weit vom Hafen entstanden war. Im August 2016 war er das Zuhause von ungefähr 10.000 Personen.

Obwohl Kameras an diesem Ort zum Alltag gehörten, wurden sie oft mit Skepsis betrachtet. Viele Menschen waren misstrauisch fotografiert zu werden. Einige befürchteten, dass sie ihre Familien in Gefahr brachten, wenn Nachrichten ihrer Flucht in die Heimat gelangten; andere hatten Angst, dass die Fotos bei einem Asylantrag in Großbritannien als Beweise ihres Aufenthaltes in Frankreich gegen sie verwendet werden könnten. Wieder andere waren einfach beschämt ob ihrer Lage hier und wollten nicht, dass diese auf irgendeinem Bild dokumentiert würde.

Viele der Fotografien, die wir von der „Flüchtlingskrise“ haben, zeigen Gewalt und Massenbewegung. Doch das Leben der Asylsuchenden, vor allem in Calais, wurde auch von Stillstand geprägt – vom endlosen Warten und der Zeit, in der Dinge des täglichen Lebens verrichtet wurden.

Die hier gezeigten Fotografien zeigen diese Seiten des „Dschungels“ – der letzten Station vor der britischen Grenze.


Rob Pinney


Eine Gruppe junger Afghanen verbrennt in einer Sandgrube Plastikabfälle, um sich zu wärmen.

Eine Gruppe von Männern schlendert zwischen beschädigten Zelten und neu errichteten "Container"-Unterkünften. 1.500 Betten wurden in umgebauten Schiffscontainern zur Verfügung gestellt. Um aber einen Platz zu bekommen, ist aber eine Registrierung und ein Handabdruck zur Identifizierung notwendig. Viele befürchten, dass sie damit ihren Asylantrag gefährden, falls sie das Vereinigte Königreich erreichen sollten.

Saifullah's Zelt.

M., ein 23-jähriger Asylsuchender aus Darfuri, schreibt in seiner Unterkunft bei Fackelschein einige einfache arabische Wendungen.

Ein Sudanese kocht Frühstück, nachdem er in der Nacht versucht hatte, auf die in den Euro-Tunnel einfahrende Züge zu springen.

Ein Topf und ein Kamm auf dem Boden jenes Teils des Lagers, der im Januar 2016 abgerissen werden sollte.

Weggeworfene Gegenstände in jenem Teil des Lagers, der im Januar 2016 abgerissen werden sollte.

Im Bereich des Lagers, der als “Afghan Square” bezeichnet wird, spielt eine Gruppe junger afghanischer Männer Cricket gegen einen Schiffscontainer.

Ein junger Mann aus Darfuri lässt sich in den Wochen vor der endgültigen Räumung des Lagers im Oktober 2016 von einem Freund die Haare schneiden.

Weggeworfene Verpackung einer SIM-Karte des britischen Mobiltelefonanbieters Three. Dieser Anbieter wurde von vielen bevorzugt, weil er kostenloses Daten-Roaming in ganz Europa ermöglichte.

Eine Ladestation für Telefone, die von einer ehrenamtlich tätigen Gruppe zur Verfügung gestellt wurde.

Ein Schild "Restaurant zu verkaufen" klebt an der Tür eines der Restaurants im Lager.

Asylsuchende beobachten und filmen mit ihren Handys eine brennende Unterkunft, während die französischen Behörden die südliche Hälfte des Lagers räumen.

Zwei CRS-Polizisten drängen Asylbewerber und Journalisten von den in Brand gesteckten Unterkünften zurück.

Ein Iraner, der aus Protest gegen den Abriss der südlichen Lagerhälfte in den Hungerstreik getreten ist, wird von zwei Freunden gestützt.

Sonnenuntergang über dem Lager. Im Vordergrund die 100 Meter lange Brachfläche, die als Pufferzone zwischen den Zelten und der angrenzenden Autobahn geschaffen wurde. Hier stauen sich häufig Lastwagen beim Warten auf die Fähren nach Großbritannien.




© KHI in Florenz | 09.08.2020 16:45:50