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Encounters: Migrants * Photographers * Artists * Activists

Fide Dayo

„AUFSCHREI EINES MIGRANTEN“ – EINE FOTOGRAFISCHE REISE. Erzählt von Fide Dayo.

Tragödie, Freude, Käfig.

Monate der Agonie beim Durchqueren der Sahara, gnadenlose Qual, Tage des Hungers und der Furcht in den Booten beim Überqueren des Mittelmeers, einem unbekannten Ziel entgegen, die Köper derer betrachtend, die es nicht geschafft haben, ins Wasser geworfen, wie Wasser fließend.

Endlich bin ich in Lampedusa. Während ich in die Augen hunderter anderer Migranten blicke, die aus dem verankerten Rettungsschiff steigen, eskaliert meine Freude.
Um mich herum Busse, Polizei, das Rote Kreuz, Journalisten und so viele Andere, die ich nicht beschreiben kann, aber jede Person mit einer bestimmten Aufgabe. Sicher ist nur, dass eine weitere Reise bevorsteht.

Wir sind freie Bürger unserer jeweiligen Länder, die das Risiko einer abenteuerlichen Reise auf sich genommen haben. Wir sind freie Bürger, die dafür gezahlt haben, von Unbekannten entführt zu werden und an Unbekannte als Sklaven verkauft zu werden. Ein Weg ohne Umkehr in die europäischen Lager. Der Käfig.


Als ich aufschaute, verschwanden die Monate der Agonie in der Sahara, die Tage voll Hunger und Furcht. Jetzt kann ich den Regenbogen sehen, um den ich gebetet habe.

Doch hinter mir fließen im Mittelmeer die Körper der Migranten wie Wasser und mein Schrei möchte diesen Exodus stoppen.

Die Baseballkappe wird plötzlich zu einem Abenteuer, einer Chance, um auf der Straße um Münzen zu betteln – gegen die erbärmlichen Wertmarken, die uns in den Lagern (Käfigen) täglich ausgehändigt werden.

Aber ich habe nicht den Mut, einen Blick in meine Baseballkappe zu werfen, da ich in den acht Stunden, die ich in derselben Straße stehe, nie den Klang einer Münze gehört habe.

Dann beschließe ich, einen Besen zu nehmen und fange an, die schmutzige und vermüllte Straße zu kehren, in der Hoffnung, dass jemand so freundlich ist, einige Münzen in meine Mütze fallen zu lassen.

Neben mir ist ein Mülleimer voller Müll. Als ich näher trete, sehe ich einen Wintermantel.

Als ich mir den Wintermantel ansehe, erinnere ich mich daran, wie ich denjenigen gefunden habe, den ich jetzt trage.

Ich schaue weiter auf den Abfall im Mülleimer; dann fange ich an, mich zu fragen, wie lange das noch so weitergehen wird.

Mein erlebnisreicher Tag endet, als ich den Wintermantel an mich nehme.




© KHI in Florenz | 16.12.2019 11:43:45