font-awesome-load
material-design-icons-load

"Trésors d'art à la portée de tous" – Die Verkaufskataloge der Fotografen

Der Katalog als Selbstdarstellung

Verkaufskataloge waren für die Fotografen ein wichtiges Kommunikations- und Werbeinstrument, um ihr Angebot der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie enthalten jedoch nicht nur die Verzeichnisse der fotografierten Werke, sondern liefern auch zahlreiche Angaben zu Zweck und Bestimmung, zu fotografischen Verfahren und zu der von den Fotografen jeweils anvisierten Klientel. Bereits die Titelseiten geben Aufschluss über Standorte der fotografischen Studios oder der eingeschalteten Zwischenhändler, über Auszeichnungen und Ehrungen des Fotografen, die sein Prestige unterstrichen und die den Kunden als Gütesiegel dienten.
Die oft ausführlichen Einleitungen boten den Fotografen Raum zur Selbstdarstellung und sind heute für die Forschung eine unschätzbare Quelle bei der Beschäftigung mit kunsthistorischer Dokumentarfotografie oder mit einzelnen Fotografen. Hier finden sich nicht nur Informationen zur Geschichte der jeweiligen Ateliers, zu neuen Aufnahme- und Abzugstechniken, sondern auch Hinweise zu den dokumentierten Orten oder Regionen, zum Aufbau des Katalogs und zu seinem Gebrauch.
Tabellen mit Formaten oder Preisen der auf dem Markt angebotenen Abbildungen geben Aufschlüsse über den ökonomischen Wert, über Drucktechniken, Montagearten und Verpackungen der Fotografien. Oftmals werden in den Katalogen auch die 'Spezialitäten des Hauses' betont – besondere Motive oder Aufnahmen, die eine Art Visitenkarte des jeweiligen Fotostudios darstellten.


Frontispiz des Katalogs von P. Sebah (1887) mit Auflistung der Auszeichnungen des Fotografen

Einleitung in den Katalog von G. Böttger (1876) mit einer Empfehlung von W.F. von Kaulbach, Direktor der Königlich Bayerischen Akademie der Künste in München

Frontispiz des Katalogs von G.B. Brusa (1882) mit Informationen zum Arbeitsort und zu Auszeichnungen des heute kaum bekannten Fotografen

Einführung in den Katalog von Montabone (1908) mit einigen Stationen zur Gründungsgeschichte des Fotostudios im Kontext italienischer Geschichte

Einführung in den Katalog Giraudon (1889). Künstler und Kunstkenner werden als Hauptadressaten genannt

Katalog von Giacomo Brogi (1891) mit Detailaufnahmen von Ornamenten, der sich vor allem an Handwerker und Kunstschulen richtet

Einführung in den Katalog der Fratelli Alinari zum Bologneser Barock (1925). Erwähnt werden die Kunsthistoriker, welche die Fotokampagne anregten und als Berater fungierten (H. Bodmer, U. Ojetti, F. Malaguzzi Valeri, I. B. Supino)

Einführung in den Katalog der Fratelli Alinari (1893). Es wird darauf verwiesen, dass bereits vorhandene Negative römischer Werke durch neue, im modernen isochromatischen Verfahren hergestellte Negative ersetzt wurden

Zwei Albuminabzüge der Fratelli Alinari: links Abzug von einer gewöhnlichen Platten (um 1870), rechts Abzug von einer isochromatischen Platte (um 1890) (FZ, inv. 320211, 320212)

Zwei Albuminabzüge der Fratelli Alinari: oben Abzug von einer gewöhnlichen Platten (um 1870), unten Abzug von einer isochromatischen Platte (um 1890) (FZ, inv. 321011, 321013)

Siena-Katalog von Paolo Lombardi aus dem Jahr 1899. Der in Siena geborene Fotograf bildete erstmals zahlreiche der Kunst- und Bauwerke seiner Heimatstadt ab

Einführung Konrad Gundermanns in seinen Franken-Katalog (1910), in dem er auch Aufnahmen weniger bekannter Orte der Region anbietet und interessierten Besuchern der Stadt Würzburg die Besichtigung verschiedener Sammlungen empfiehlt

Anderson-Katalog von 1902 mit Angaben zu Formaten und Preisen sowie einer Werbung für seine Kohledrucke, erhältlich in verschiedenen Farben

Verschiedenfarbige Kohledrucke einer Ansicht des Forum Romanum, die das Fotostudio Brogi Ende des 19. Jahrhunderts im Sortiment führte

Verschiedenfarbige Kohledrucke eines Gemäldes von Nicolò Barabino (1832-1892), die Brogi 1887 im Angebot führte

Serie von Brogi-Abzügen, ausgeführt in Kohledrucke und Silbergelatine. Letzterer war auch koloriert erhältlich (FZ, inv. 321336-321338)

Tabelle mit Formaten, Preisen und Maßen im Katalog der Fratelli Alinari von 1873

Aufnahmen der Fratelli Alinari im Groß-, Mittel- und Kleinformat (grande, extra und piccola) (FZ, inv. 322012, 324379, 39625)

Aufnahmen der Fratelli Alinari im Extragroß- und Mittelformat (extra groß und extra) (KHI, inv. 132745, 229922)

Aufnahmen der Reliefplatten aus der Kirche SS. Giovanni e Paolo in Venedig, die 1867 bei einem Brand teilweise zerstört wurden und die Carlo Naya im Katalog von 1897 als 'Spezialität des Hauses' führte

Vintage- sowie moderne Abzüge der Naya-Negative, welche die beim Brand von 1867 teilweise zerstörten Reliefs abbilden (FZ, inv. 150079-80, 303592-93)

Einführung in den Katalog Romualdo Moscionis von 1903 mit Auflistung der 'Spezialitäten des Hauses'

Albuminabzug mit der Abbildung des Cosmatenbodens in der römischen Kirche San Lorenzo, von Moscioni als 'Spezialität des Hauses' angeboten

Albuminabzug mit Abbildung des Doms von Altamura, Teil der Serie Apulia Monumentale, die Moscioni als 'Spezialität des Hauses' anbot (KHI, Inv. 4131)




© KHI in Florenz | 04.12.2021 18:19:12