Nomos der Bilder. Manifestationen des Rechts in Bildatlanten und Fotoarchiven

Grußwort

Der Bilderatlas hat als methodisches Paradigma die Kunstgeschichte im 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst. Auf Tafeln thematisch arrangierte Bilderreihen, wie z.B. in Aby Warburgs berühmten Mnemosyne Projekt, finden sich auch in der Rechtsarchäologie, die sich mit der sichtbaren und materiellen Seite des Rechts auseinandersetzt. Fotografien, aber auch Zeichnungen und Drucke von Objekten oder „Sachzeugen“, Architekturen, Zeichen, Raumausstattungen, Symbole oder Allegorien wurden gesammelt, um die Räume und Handlungen des Rechts vom Neolithikum bis in die Frühe Neuzeit zu erfassen und zu memorieren.
Diese visuelle Dimension des Rechts lässt sich auch über kunsthistorische Fotoarchive rekonstruieren. Zusammen mit dem Bilderatlas stellen sie die zentralen Laboratorien und Werkstätten des Bildhistorikers dar. Ihre Medialität und Wandelbarkeit ermöglichen den Vergleich und das Studium materieller Formgebungen. Aus der Vielzahl der im Archiv unter Topographie, Epoche oder Gattung klassifizierten Bilder, werden im Atlas unter anderer Fragestellung wenige ausgewählt und in neuer Kombination präsentiert. Dank dieser Anschaulichkeit lässt sich das Wissen über Realität und Fiktionalität des Rechts erweitern. Die Online-Ausstellung bringt die Ordnung und Assemblage der Bilder in rechtshistorischen Archiven und Atlanten mit dem kunsthistorischen Fotoarchiv der Florentiner Photothek in einen wechselseitigen und anregenden Austausch, um Materialität und Sichtbarkeit des nomos (gr. Gesetz, Brauch) zu thematisieren.
In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt und dem Leopold-Wenger-Institut der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität München.

Costanza Caraffa und Carolin Behrmann



© KHI in Florenz | 23.08.2017 12:03:39