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Inhaltsverzeichnis

 

PHOTOGRAPHIE UND KATASTROPHE. Antonio Di Cecco im Dialog mit den Sammlungen der Photothek

Grußwort

In Folge der Erdbeben von L’Aquila (2009), der Emilia (2012) und im Zentrum Italiens (2016/2017) engagiert sich das Kunsthistorische Institut in Florenz (KHI) in Kooperationsprojekten, die sich mit der Geschichte und Gegenwart von Naturkatastrophen auf der italienischen Halbinsel befassen. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit dem Photographen Antonio Di Cecco aus L’Aquila, der sich in seiner Arbeit intensiv mit den postkatastrophischen Szenarien auseinandersetzt. In diesem Kontext hat er zusammen mit den Kurator/innen dieser online Ausstellung eine Recherche in der Photothek des Instituts durchgeführt und eine Auswahl von historischen Aufnahmen zusammengestellt, welche er mit Bildern aus dem eigenen Archiv konfrontiert. Der so kreierte Dialog zwischen Gegenwartsphotographie und Photoarchiv bildet diese Ausstellung. Ihr Kerngedanke ist, verschiedene Ebenen der Repräsentation und Sedimentation von Naturkatastrophen in den Blick zu nehmen und damit die durch letztere verursachten Transformationen der Landschaft und des Stadtraums, die tiefen Veränderungen der Orte und Modi des Wohnens sowie die Zerstörungen von historischen Monumenten und Bausubstanz vor Augen zu führen.
Die Ausstellung zeigt nicht das traditionelle Gegenüber von Bildern „Vor“ und „Nach“ der Katastrophe, vielmehr beziehen sich die gewählten Aufnahmen aus unterschiedlichen Zeiten meist nicht auf denselben Ort, sondern bilden offene Konstellationen und Konfrontationen aus Formen und Inhalten. Die Bilderstrecken präsentieren unterschiedliche Typen von Katastrophen entlang der diversen Regionen und der unterschiedlichsten Landschaften (mit einem Fokus auf L’Aquila, der Stadt von Antonio di Cecco) in fünf thematischen Kapiteln. Damit will die Ausstellung zunächst die Aufmerksamkeit auf die weite geographische Streuung und die relative Häufigkeit von Katastrophen in Italien lenken, insbesondere die Erdbeben, und auch auf die Bedeutung anthropogener Faktoren hinweisen. Zugleich betont sie die Notwendigkeit der historischen Kenntnis von Katastrophen und der Prävention, etwa durch geeignete Techniken der Konservierung und des anti-sismischen Bauens, gibt einen Einblick in die Schwierigkeiten bei der Krisenintervention, Restaurierungen und den Logiken wie Praktiken der Rekonstruktion. Sie tut dies im Dialog historischer und aktueller Photographie, konfrontiert im digitalen Medium, zugleich die Materialität und Medialität der Photographien wie der Archive (mit ihren Schachteln und Kartons) evozierend, und konzentriert in den Aufnahmen Di Ceccos auf Räume, Orte und Umgebungen: oft menschenleer, doch in einer spezifisch atmosphärischen, zeichenhaften wie subtil narrativen Szenographie verweisen sie in der ihr eigenen Poesie auf soziale Räume und kollektives Gedächtnis.

Carmen Belmonte, Costanza Caraffa, Elisabetta Scirocco und Gerhard Wolf



© KHI in Florenz | 10.12.2018 23:36:28